Von Brenten zu Virtual-Reality-Badezimmern

Znünipausen sind in der Kantine der Dick AG selten. Wenn schon, so sitzen die Installateure früh um sieben zusammen, bevor es hinaus auf die Baustellen  geht. Walter Dick nennt diese Zusammenkünfte inklusive Croissants «Gipfeltreffen». Das Wortspiel steht symbolisch für den kreativen Geist, mit dem er sein Unternehmen führt.

Von Brenten zu Virtual-Reality-Badezimmern
Foto: Patrick Lüthy

Am 17. April 1879 gründete Gottlieb Dick die gleichnamige Firma im solothurnischen Biberist, wo sie noch heute niedergelassen ist. Zum Angebot gehörten Dampfwaschhäfen und Brenten (metallene Bottiche). Heute, 139 Jahre später, präsentiert sein Ururenkel Walter Dick den Kunden zukünftige Badezimmer mit einem Virtual-Reality-System. Das Angebot hat sich geändert, die genetische Prägung blieb erhalten. Schon als Klein-Walter im Kindergarten Häuschen malte, vergass er nie, Dachrinnen und Ablaufrohre einzuzeichnen. Leicht zu verstehen, weshalb der heutige Geschäftsführer in die Fussstapfen seiner Vorväter trat, Spengler/ Installateur und Sanitärzeichner lernte sowie später die Meisterschule und eine Weiterbildung in Unternehmensführung an der SIU absolvierte.

Sanierungen und Service
Ab den 1970er Jahren stand die Lüftungstechnik mit dem Spezialgebiet Mühlen im Zentrum der Firmenaktivitäten. Das Geschäft brach aber in den 1990er Jahren ein, als die Schweizer Mühlen in eine Krise gerieten. Zum Glück hatte die Dick AG auf mehrere Standbeine gesetzt. Heizung, Sanitär und die Spenglerei gehörten längst zum Angebot des Mischbetriebs, und so verlagerte sich der Schwerpunkt zu diesen Disziplinen. Heute stehen vor allem Heizungsund Sanitärinstallationen im Vordergrund. Dort hat sich die Dick AG schon vor Jahren erfolgreich auf das Sanierungs- und Servicegeschäft spezialisiert.

«Offenbar macht unsere Firma süchtig.» Walter Dick

Firmentreue Vollprofis
Der Stamm von aktuell zwölf Mitarbeitenden gehört schon seit vielen Jahren der Dick AG an. «Zwei Kollegen sind über 30 Jahre bei uns», erzählt Walter Dick. «Erst kürzlich haben wir zwei Herren in den Ruhestand verabschiedet, von denen der eine 42, der andere 46 Jahre unserer Firma treu geblieben ist.» Lachend fügt er hinzu: «Offenbar macht unsere Firma süchtig.» Dick schätzt es, dass etliche Routiniers, Vollprofis, wie er sie nennt, seinem Team angehören: «Ihnen muss ich auf der Baustelle nicht erklären, was zu tun ist, wenn irgendwo ein Röhrchen zum Vorschein kommt.»
Tiefer Respekt ist zu spüren, wenn er von seinen Installateuren und Spenglern spricht. Sie zahlen es ihm mit erstklassiger Arbeit zurück. Wenn Termine drücken, ergreifen sie selbst die Initiative. Und leisten an einem Samstagmorgen den Sondereinsatz – ohne dass der Chef hätte bitten müssen.
«Es ist ein Geben und Nehmen», sagt Dick und lädt seine Mitarbeitenden inklusive Anhang alle zwei, drei Jahre zu Events wie einem Krimidinner am Bodensee, dem Besuch einer MassimoRocchi-Show oder einem Gokart-Rennen. Walter Dick bezieht seine Handwerker in den Planungsprozess mit ein: «Dadurch gelingt es ihnen besser, die Theorie vom Zeichnungstisch in die Praxis auf der Baustelle zu übertragen.» Oftmals sind seine Mitarbeitenden vom ersten Kundenkontakt über die Projektierung und Offerte bis hin zur Installation und Endabrechnung in die Abläufe involviert. Gleichwohl sucht Walter Dick jetzt eine vollamtliche Unterstützung für die Planungsabteilung. Am liebsten hätte er einen HLKS-Planer, der nicht nur technisch auf dem neuesten Stand ist, sondern auch die immer komplexeren Vorschriften und Normen beherrscht.

Tüftler mit Sinn für Ästhetik
Walter Dick lässt sich gern Neues einfallen. In den 1990er Jahren hat er die sogenannte Diwi-Box mitentwickelt, ein Schalungselement aus Kunststoff für den Bau. Die Rechte daran hat er längst veräussert und staunt, wenn seine Erfindung noch heute in Produktkatalogen von Grossisten auftaucht. «Mir fehlt einfach die Zeit, solche Dinge richtig zu vermarkten», erklärt der Tüftler. Seine neueste Kreation heisst Dixx, ein simpel zu montierendes «Körperpflegeterminal» mit Waschtisch, Armatur, Beleuchtung und Stauraum, das er speziell für den Sanierungsbau entwickelt hat.
Walter Dick reizt seit jeher die Verbindung zwischen Handwerk und Ästhetik. Da lief ihm diese Kuh über den Weg, eigentlich ein Schubladenmöbel in Form einer Kuh. Kurzerhand stattete er sie mit Waschbecken und Armatur aus. Solche Originale setzt er gerne bei Messeauftritten als Blickfang ein. «Die Kuh-Idee hatte ja meine Partnerin», räumt er ein. Carola Graf steht auch im Unternehmen an Walter Dicks Seite, zeichnet nicht nur für die Administration verantwortlich, sondern ist überhaupt seine rechte Hand.
Besonders stolz ist Walter Dick auf den Berufsnachwuchs im Unternehmen. Etwa auf den angehenden Sanitärinstallateur Marco Nicosia, der im dritten Lehrjahr und kurz vor dem QV steht. Für die ABU-Vertiefungsarbeit hat der 19-jährige Kampfsportbegeisterte in seiner Freizeit nichts weniger als ein Samuraischwert mit allem Drum und Dran hergestellt und dafür glatt die Note 6 erhalten. Geht der Chef mit gutem Beispiel voran, dann springt der kreative Funke.

Marcel Baud («suissetec magazin» 2/18)