Man muss Menschen mögen

Im Juni hat Alois Gartmann (53) die Führung des Bildungsteams bei suissetec übernommen, nachdem er zuvor während zehn Jahren als Leiter der höheren Berufsbildung beim Verband tätig war. In seinem bisherigen Wirken hat sich Alois Gartmann als engagierter und gut vernetzter Bildungsprofi im Verband und dessen Umfeld einen Namen gemacht. Im Interview erklärt er, wie er seine neue Rolle als Leiter Bildung versteht und welche Themen die suissetec Bildungslandschaft heute und in Zukunft bewegen.

Man muss Menschen mögen
Alois Gartmann, Leiter Bildung suissetec. (Foto: Frederic Meyer, Illustration: André Gottschalk)

Alois Gartmann, was hat Sie daran gereizt, Leiter Bildung von suissetec zu werden?
Zunächst die Führungsfunktion als solche. Bisher habe ich mich in einem Umfeld mit viel lateraler Führung bewegt. Meine neue Position beinhaltet nun auch die direkte Führung von Mitarbeitenden. Dann will ich mit meinem Team die Gebäudetechnikbildung voranbringen, Impulse geben und die Herausforderungen annehmen, die sich uns und den Branchen stellen. Teambildung und Teamentwicklung haben für mich höchsten Stellenwert, gerade angesichts der vielen
Veränderungen mit neuen Gesichtern und Funktionen im suissetec Bildungsteam.

Wie interpretieren Sie Ihre neue Rolle?
Sie wird sicher weniger operativ, weniger in den Details sein. Mehr in der Führung eben. Die Flughöhe hat sich nach oben verschoben. Ich will das Bildungsteam befähigen, maximale Leistung zu erbringen in einer Arbeitsatmosphäre, in der ein kritischer Austausch nicht nur möglich, sondern erwünscht ist. Ich sehe mich auch als Coach, der seine Leute fördert und fordert, damit ihr Einsatz Früchte trägt.


Sie wird sicher weniger operativ, weniger in den Details sein. Mehr in der Führung eben. Die Flughöhe hat sich nach oben verschoben. Ich will das Bildungsteam befähigen, maximale Leistung zu erbringen in einer Arbeitsatmosphäre, in der ein kritischer Austausch nicht nur möglich, sondern erwünscht ist. Ich sehe mich auch als Coach, der seine Leute fördert und fordert, damit ihr Einsatz Früchte trägt.

Welche Ziele haben Sie auf Ihrer Landkarte markiert?
Wir wollen die bestmögliche Bildung für Gebäudetechniker bieten, mit marktorientierten Angeboten. Wir wollen unseren 3500 Mitgliederbetrieben die Bildungsgänge zur Verfügung stellen, die sie wirklich brauchen, ihnen aber auch aufzeigen, welche Angebote für ihr Geschäft zusätzlich sinnvoll sind. Zudem möchten wir die Bekanntheit von suissetec unter den Verbänden und in den Branchen weiter steigern. Unsere Arbeit soll in der schweizerischen Bildungslandschaft mustergültig sein. Am liebsten wollen wir hören: «Luagand amol, wia d suissetec das macht.»

Wo sehen Sie im letzten Jahrzehnt Meilensteine bei der suissetec Bildung?
Sicher einmal bei den Schweizer Berufsmeisterschaften. Sie sind in den letzten zehn Jahren enorm gewachsen, topprofessionell organisiert und zur bedeutenden Bühne der Gebäudetechnikberufe geworden. Inzwischen beziehen wir alle Landesteile mit ein. Die Zusammenarbeit mit den Sektionen brachte wertvolle Beziehungen, von denen wir bis heute profitieren. Für SwissSkills sind wir als Berufsverband ein wichtiger Partner, gelten gar als Vorzeigeverband. In der höheren Berufsbildung haben wir neue Angebote entwickelt wie die Projektleiter Gebäudetechnik und Solarmontage, den Chefmonteur Lüftung oder den Energieberater Gebäude. In der nicht formalen Bildung sind die Persona-Kurse oder der Baustellenleiter sehr beliebt.

Auch das Departement Bildung ist in dieser Zeit gewachsen.
Dass unsere Abteilung am Geschäftssitz in Zürich heute doppelt so gross ist wie noch vor zehn Jahren, widerspiegelt den wachsenden Stellenwert der Bildung in den Branchen. Wir haben die Strukturen angepasst und neue Stellen geschaffen wie den Projektleiter Lehrmittel mit einer Assistentenstelle, den Leiter Qualitätssicherung und die Funktion Administration Qualifikationsverfahren.

Wird in Sachen Werbung für die Gebäudetechnikberufe genug getan?
Kampagnen und Werkzeuge sind auf allen Kanälen viele vorhanden. Nun müssen die Akteure der Branchen und Sektionen diese Anstrengungen replizieren. Im Idealfall rührt jeder Branchenvertreter in jedem Betrieb für seine Tätigkeit die Werbetrommel. Denn Geschäftsführer, Kadermitglieder, Berufsbildner, Installateure oder auch diebereits Lernenden sind die wichtigsten Botschafter für unsere Berufe. Als Multiplikatoren sind sie unersetzlich. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass die Mundpropaganda das stärkste Mittel ist, um junge Menschen für einen suissetec Beruf zu begeistern.

Wo sehen Sie die Rolle der Eltern?
Oft wird damit geprahlt, dass die Schweiz das weltbeste Berufsbildungssystem hat. Und dennoch heisst es nicht selten: «Aber mein Sohn soll trotzdem die Matura machen und dann studieren.» Hier ist Aufklärungsarbeit gefragt. Themen wie die Energiestrategie 2050 und erneuerbare Energien spielen uns beim Argumentieren für die Berufe in die Hände. Themen, die zudem für die Zukunftssicherheit der Branchen sprechen. Denn unsere Arbeiten lassen sich grossmehrheitlich nicht ins Ausland exportieren.

Bitte charakterisieren Sie den idealen Lehrmeister?
Ich benutze gerne die 4-M-Formel: «Man muss Menschen mögen.» Berufsbildner sollten zuhören, den Lernenden wertschätzen, ihn ernst nehmen, ihm aber auch Leitplanken und Grenzen setzen. Generell müssen die Bildungsverantwortlichen der Lehrbetriebe mehr Zeit für die Ausbildung einplanen. Im Schnitt zehn Prozent des Zeitbudgets oder vier Stunden wöchentlich pro Lernendem wäre eine Faustregel. Diese Investition wird garantiert mit Zinsen und Zinseszinsen zurückbezahlt.

Bis auf den «Lüftungsanlagenbauer» dauern bald alle Grundbildungen vier Jahre. Wie wird dies das Auswahlverfahren verändern?
Die Selektion ist heute schon anspruchsvoll, unabhängig von der Lehrdauer. Abbruchquoten von 25 Prozent zeigen, dass hier noch viel Verbesserungspotenzial in der Eignungsabklärung liegt. Wir gehen davon aus, dass die Betriebe zukünftig genauer analysieren rden, ob ein Berufsanwärter die Voraussetzungen für das EFZ- oder das EBA-Niveau mitbringt. Dank den Revisionen wird die Differenzierung klarer, die Kluft bei Inhalten und Anforderungen grösser.

Erhöhen die Revisionen die Attraktivität der Berufe?
Für den Lehrbetrieb bestimmt. Die neuen Inhalte und die Handlungsorientierung steigern die Attraktivität, da sie noch näher an der Praxis sind. Ich könnte mir vorstellen, dass mehr Gebäudetechnik-Lernende die Berufsmatur anstreben werden. Durch die Verlängerung der Lehre auf vier Jahre hat der Jugendliche im ersten Jahr noch Zeit, sich zu entscheiden, ob die berufsbegleitende Berufsmatur für ihn in Frage kommt. Bei der dreijährigen Lehre muss dieser Entschluss schon beim Ausbildungsstart feststehen.

Welche Resonanz haben die Revisionen bei den Mitgliedern?
Bei der Analyse hatte die Mitgliederbefragung klar gezeigt, dass man die vierjährige Lehre will. Erfreulicherweise stellen wir fest, dass alle Akteure bei der Umsetzung nun voll hinter der Entscheidung stehen. Auch diejenigen, welche die Veränderungen zunächst kritisch betrachteten.

Bei der Einführung der revidierten Bildungsverordnungen sind namentlich die Lehrbetriebe gefordert. Wie unterstützt sie der Verband dabei?
Wir bieten auf verschiedenen Ebenen Hilfestellung. Wir planen Infoveranstaltungen und werden die Sektionsvertreter hinsichtlich der Revisionen schulen. Sie wiederum transferieren die Neuerungen in ihre Sektionen zu den ausbildenden Mitgliederbetrieben. Unterstützend kreieren wir Informationsmittel wie Werkstattplakate oder Videoclips. Zudem haben wir im Anschluss an den Lehrmeistertag in Bern eine Erfa-Gruppe für Lehrmeister ins Leben gerufen. Die Plattform dient dem Erfahrungsaustausch. Aktuell planen wir die Gründung weiterer Erfa-Gruppen für Lehrmeister. Wer Interesse hat, kann sich gerne melden!

Zentraler Punkt der Revisionen ist der Wechsel von «Schulfächern» zu Handlungskompetenzen. Was bedeutet das für die Ausbildungsbetriebe?
Wir sind überzeugt, dass diese Umstellung den Lehrbetrieben sogar in die Hände spielt. Denn die Praxis in der Werkstatt und auf dem Bau ist nichts anderes als Handlungsorientierung. So wird die Realität in der Ausbildung viel besser abgebildet.

Die Digitalisierung ist für heutige Heranwachsende eine Selbstverständlichkeit. Wie trägt man diesen Entwicklungen in der Bildung Rechnung?
Die Digitalisierung findet schon lange statt und nimmt jetzt einfach schneller Fahrt auf. Aber dass wir unsere Lehrmittel inzwischen als E-Book anbieten, ist noch lange nicht E-Learning. E-Learning verlangt ein völlig neues didaktisches Konzept, bei dem etwa festgelegt wird, was in der Schule und was im Selbststudium, zum Beispiel mit Videosequenzen, vermittelt wird. Längerfristig hält E-Learning sicher auch bei uns Einzug. Wichtig ist, dass die Digitalisierung die Schere nicht zu weit öffnet zwischen jenen, die mit den Technologien leicht umgehen und jenen, die sich damit schwerer tun.

Das Gelingen der Revisionen setzt auch die gute Vernetzung von Berufsfachschule, überbetrieblichen Kursen und suissetec voraus. Wie fördern Sie die Zusammenarbeit?
Wir pflegen hervorragende Kontakte zum Verband der Haustechnik-Fachlehrer (SSHL) und zu den Haustechnik-Instruktoren (shi). In den Arbeitsgruppen für die Revisionen der Grundbildung sind auch Bildungsprofis der Berufsfachschulen und der überbetrieblichen Kurse vertreten. An deren Versammlungen nehmen immer auch Mitglieder des suissetec Bildungsteams teil. Über diese Kanäle ist ein enger Austausch und Informationstransfer sichergestellt.

Stichwort höhere Berufsbildung: Als Sie beim Verband anfingen, erfolgte gerade die Umstellung auf das modulare System. Wie sieht Ihre Bilanz aus?
Rückblickend lässt sich sagen, der Wechsel auf «modular» war weniger relevant, als die zum Teil hitzigen Diskussionen damals vermuten liessen. Fakt ist: Auch die höhere Berufsbildung entwickelt sich weiter. Zurzeit konzipieren wir den neuen Bildungsgang Wärmetechnikplaner. Er basiert als allererste höhere Berufsbildung von suissetec ebenfalls auf Handlungsorientierung. Wir dürfen nicht vergessen: Mit den ersten Absolventen der revidierten Grundbildung schaffen wir ein frisches Fundament in unserer Bildungslandschaft mit einer neuen Generation von Gebäudetechnikern. Passend werden wir deshalb die Handlungsorientierung sukzessive auch auf den höheren Stufen einführen.

Das suissetec Bildungszentrum Lostorf kommt in die Jahre, seine Sanierung erscheint langsam auf der Landkarte. Was können Sie heute schon dazu sagen?
Die Gebäudesubstanzanalyse hat gezeigt, dass Handlungsbedarf besteht. Der vor 35 Jahren konzipierte Gebäudekomplex ist von der Hotellerie über die Werkstätten bis zur Erdbebensicherheit nicht mehr zeitgemäss. Bevor wir jedoch konkret werden, müssen wir evaluieren, welches die Anforderungen an ein modernes ompetenzzentrum der Gebäudetechnik sind. Dazu gehört zu überdenken, ob man das Bildungszentrum nicht auch für Bedürfnisse der Grundbildung öffnen müsste. Stichwort: überbetriebliche Kurse, gerade im Rahmen der auf vier Jahre ausgebauten Lehren.

Die Rolle eines Meisters ist seit Jahren im Wandel begriffen. Wie ordnen Sie die Begriffe Meister und Unternehmer heute ein?
Hier stellt sich die Frage, bis zu welchem Grad ein Meister der Gebäudetechnik auch betriebswirtschaftlich ausgebildet werden muss? Ist es wirklich sinnvoll, die Studenten vertieft in Betriebscontrolling oder Marketingtechniken auszubilden? Gibt der zukünftige Meister diese Disziplinen nicht besser an Dienstleister ab, um sich mehr seinem Kerngeschäft zu widmen? Sollte die Vermittlung dieser Kompetenzen nicht flexibler gestaltet werden? Und schliesslich: Sind wir es, die diese Themen abdecken müssen? Solche Fragen müssen wir beantworten, bevor wir die Weichen für die zukünftige Bildung und deren Ausgestaltung in den suissetec Berufen stellen. ‹

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Wir wollen die bestmögliche Bildung für Gebäudetechniker bieten, mit marktorientierten Angeboten. Wir wollen unseren 3500 Mitgliederbetrieben die Bildungsgänge zur Verfügung stellen, die sie wirklich brauchen, ihnen aber auch aufzeigen, welche Angebote für ihr Geschäft zusätzlich sinnvoll sind. Zudem möchten wir die Bekanntheit von suissetec unter den Verbänden und in den Branchen weiter steigern. Unsere Arbeit soll in der schweizerischen Bildungslandschaft mustergültig sein. Am liebsten wollen wir hören: «Luagand amol, wia d suissetec das macht.»

Wo sehen Sie im letzten Jahrzehnt Meilensteine bei der suissetec Bildung?
Sicher einmal bei den Schweizer Berufsmeisterschaften. Sie sind in den letzten zehn Jahren enorm gewachsen, topprofessionell organisiert und zur bedeutenden Bühne der Gebäudetechnikberufe geworden. Inzwischen beziehen wir alle Landesteile mit ein. Die Zusammenarbeit mit den Sektionen brachte wertvolle Beziehungen, von denen wir bis heute profitieren. Für SwissSkills sind wir als Berufsverband ein wichtiger Partner, gelten gar als Vorzeigeverband. In der höheren Berufsbildung haben wir neue Angebote entwickelt wie die Projektleiter Gebäudetechnik und Solarmontage, den Chefmonteur Lüftung oder den Energieberater Gebäude. In der nicht formalen Bildung sind die Persona-Kurse oder der Baustellenleiter sehr beliebt.

Auch das Departement Bildung ist in dieser Zeit gewachsen.
Dass unsere Abteilung am Geschäftssitz in Zürich heute doppelt so gross ist wie noch vor zehn Jahren, widerspiegelt den wachsenden Stellenwert der Bildung in den Branchen. Wir haben die Strukturen angepasst und neue Stellen geschaffen wie den Projektleiter Lehrmittel mit einer Assistentenstelle, den Leiter Qualitätssicherung und die Funktion Administration Qualifikationsverfahren.

Wird in Sachen Werbung für die Gebäudetechnikberufe genug getan?
Kampagnen und Werkzeuge sind auf allen Kanälen viele vorhanden. Nun müssen die Akteure der Branchen und Sektionen diese Anstrengungen replizieren. Im Idealfall rührt jeder Branchenvertreter in jedem Betrieb für seine Tätigkeit die Werbetrommel. Denn Geschäftsführer, Kadermitglieder, Berufsbildner, Installateure oder auch diebereits Lernenden sind die wichtigsten Botschafter für unsere Berufe. Als Multiplikatoren sind sie unersetzlich. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass die Mundpropaganda das stärkste Mittel ist, um junge Menschen für einen suissetec Beruf zu begeistern.

Wo sehen Sie die Rolle der Eltern?
Oft wird damit geprahlt, dass die Schweiz das weltbeste Berufsbildungssystem hat. Und dennoch heisst es nicht selten: «Aber mein Sohn soll trotzdem die Matura machen und dann studieren.» Hier ist Aufklärungsarbeit gefragt. Themen wie die Energiestrategie 2050 und erneuerbare Energien spielen uns beim Argumentieren für die Berufe in die Hände. Themen, die zudem für die Zukunftssicherheit der Branchen sprechen. Denn unsere Arbeiten lassen sich grossmehrheitlich nicht ins Ausland exportieren.

Bitte charakterisieren Sie den idealen Lehrmeister?
Ich benutze gerne die 4-M-Formel: «Man muss Menschen mögen.» Berufsbildner sollten zuhören, den Lernenden wertschätzen, ihn ernst nehmen, ihm aber auch Leitplanken und Grenzen setzen. Generell müssen die Bildungsverantwortlichen der Lehrbetriebe mehr Zeit für die Ausbildung einplanen. Im Schnitt zehn Prozent des Zeitbudgets oder vier Stunden wöchentlich pro Lernendem wäre eine Faustregel. Diese Investition wird garantiert mit Zinsen und Zinseszinsen zurückbezahlt.

Bis auf den «Lüftungsanlagenbauer» dauern bald alle Grundbildungen vier Jahre. Wie wird dies das Auswahlverfahren verändern?
Die Selektion ist heute schon anspruchsvoll, unabhängig von der Lehrdauer. Abbruchquoten von 25 Prozent zeigen, dass hier noch viel Verbesserungspotenzial in der Eignungsabklärung liegt. Wir gehen davon aus, dass die Betriebe zukünftig genauer analysieren rden, ob ein Berufsanwärter die Voraussetzungen für das EFZ- oder das EBA-Niveau mitbringt. Dank den Revisionen wird die Differenzierung klarer, die Kluft bei Inhalten und Anforderungen grösser.

Erhöhen die Revisionen die Attraktivität der Berufe?
Für den Lehrbetrieb bestimmt. Die neuen Inhalte und die Handlungsorientierung steigern die Attraktivität, da sie noch näher an der Praxis sind. Ich könnte mir vorstellen, dass mehr Gebäudetechnik-Lernende die Berufsmatur anstreben werden. Durch die Verlängerung der Lehre auf vier Jahre hat der Jugendliche im ersten Jahr noch Zeit, sich zu entscheiden, ob die berufsbegleitende Berufsmatur für ihn in Frage kommt. Bei der dreijährigen Lehre muss dieser Entschluss schon beim Ausbildungsstart feststehen.

Welche Resonanz haben die Revisionen bei den Mitgliedern?
Bei der Analyse hatte die Mitgliederbefragung klar gezeigt, dass man die vierjährige Lehre will. Erfreulicherweise stellen wir fest, dass alle Akteure bei der Umsetzung nun voll hinter der Entscheidung stehen. Auch diejenigen, welche die Veränderungen zunächst kritisch betrachteten.

Bei der Einführung der revidierten Bildungsverordnungen sind namentlich die Lehrbetriebe gefordert. Wie unterstützt sie der Verband dabei?
Wir bieten auf verschiedenen Ebenen Hilfestellung. Wir planen Infoveranstaltungen und werden die Sektionsvertreter hinsichtlich der Revisionen schulen. Sie wiederum transferieren die Neuerungen in ihre Sektionen zu den ausbildenden Mitgliederbetrieben. Unterstützend kreieren wir Informationsmittel wie Werkstattplakate oder Videoclips. Zudem haben wir im Anschluss an den Lehrmeistertag in Bern eine Erfa-Gruppe für Lehrmeister ins Leben gerufen. Die Plattform dient dem Erfahrungsaustausch. Aktuell planen wir die Gründung weiterer Erfa-Gruppen für Lehrmeister. Wer Interesse hat, kann sich gerne melden!

Zentraler Punkt der Revisionen ist der Wechsel von «Schulfächern» zu Handlungskompetenzen. Was bedeutet das für die Ausbildungsbetriebe?
Wir sind überzeugt, dass diese Umstellung den Lehrbetrieben sogar in die Hände spielt. Denn die Praxis in der Werkstatt und auf dem Bau ist nichts anderes als Handlungsorientierung. So wird die Realität in der Ausbildung viel besser abgebildet.

Die Digitalisierung ist für heutige Heranwachsende eine Selbstverständlichkeit. Wie trägt man diesen Entwicklungen in der Bildung Rechnung?
Die Digitalisierung findet schon lange statt und nimmt jetzt einfach schneller Fahrt auf. Aber dass wir unsere Lehrmittel inzwischen als E-Book anbieten, ist noch lange nicht E-Learning. E-Learning verlangt ein völlig neues didaktisches Konzept, bei dem etwa festgelegt wird, was in der Schule und was im Selbststudium, zum Beispiel mit Videosequenzen, vermittelt wird. Längerfristig hält E-Learning sicher auch bei uns Einzug. Wichtig ist, dass die Digitalisierung die Schere nicht zu weit öffnet zwischen jenen, die mit den Technologien leicht umgehen und jenen, die sich damit schwerer tun.

Das Gelingen der Revisionen setzt auch die gute Vernetzung von Berufsfachschule, überbetrieblichen Kursen und suissetec voraus. Wie fördern Sie die Zusammenarbeit?
Wir pflegen hervorragende Kontakte zum Verband der Haustechnik-Fachlehrer (SSHL) und zu den Haustechnik-Instruktoren (shi). In den Arbeitsgruppen für die Revisionen der Grundbildung sind auch Bildungsprofis der Berufsfachschulen und der überbetrieblichen Kurse vertreten. An deren Versammlungen nehmen immer auch Mitglieder des suissetec Bildungsteams teil. Über diese Kanäle ist ein enger Austausch und Informationstransfer sichergestellt.

Stichwort höhere Berufsbildung: Als Sie beim Verband anfingen, erfolgte gerade die Umstellung auf das modulare System. Wie sieht Ihre Bilanz aus?
Rückblickend lässt sich sagen, der Wechsel auf «modular» war weniger relevant, als die zum Teil hitzigen Diskussionen damals vermuten liessen. Fakt ist: Auch die höhere Berufsbildung entwickelt sich weiter. Zurzeit konzipieren wir den neuen Bildungsgang Wärmetechnikplaner. Er basiert als allererste höhere Berufsbildung von suissetec ebenfalls auf Handlungsorientierung. Wir dürfen nicht vergessen: Mit den ersten Absolventen der revidierten Grundbildung schaffen wir ein frisches Fundament in unserer Bildungslandschaft mit einer neuen Generation von Gebäudetechnikern. Passend werden wir deshalb die Handlungsorientierung sukzessive auch auf den höheren Stufen einführen.

Das suissetec Bildungszentrum Lostorf kommt in die Jahre, seine Sanierung erscheint langsam auf der Landkarte. Was können Sie heute schon dazu sagen?
Die Gebäudesubstanzanalyse hat gezeigt, dass Handlungsbedarf besteht. Der vor 35 Jahren konzipierte Gebäudekomplex ist von der Hotellerie über die Werkstätten bis zur Erdbebensicherheit nicht mehr zeitgemäss. Bevor wir jedoch konkret werden, müssen wir evaluieren, welches die Anforderungen an ein modernes ompetenzzentrum der Gebäudetechnik sind. Dazu gehört zu überdenken, ob man das Bildungszentrum nicht auch für Bedürfnisse der Grundbildung öffnen müsste. Stichwort: überbetriebliche Kurse, gerade im Rahmen der auf vier Jahre ausgebauten Lehren.

Die Rolle eines Meisters ist seit Jahren im Wandel begriffen. Wie ordnen Sie die Begriffe Meister und Unternehmer heute ein?
Hier stellt sich die Frage, bis zu welchem Grad ein Meister der Gebäudetechnik auch betriebswirtschaftlich ausgebildet werden muss? Ist es wirklich sinnvoll, die Studenten vertieft in Betriebscontrolling oder Marketingtechniken auszubilden? Gibt der zukünftige Meister diese Disziplinen nicht besser an Dienstleister ab, um sich mehr seinem Kerngeschäft zu widmen? Sollte die Vermittlung dieser Kompetenzen nicht flexibler gestaltet werden? Und schliesslich: Sind wir es, die diese Themen abdecken müssen? Solche Fragen müssen wir beantworten, bevor wir die Weichen für die zukünftige Bildung und deren Ausgestaltung in den suissetec Berufen stellen. ‹

Marcel Baud («suissetec magazin» 5/18)