«Kupferheiland»

Kupferheiland suissetec magazin 1/16
Foto: zVg

wurde mein Grossvater genannt, weil er zu Lebzeiten im ganzen Kanton die Kirchendächer eingedeckt hat», lacht Karl Studach, Inhaber der Hans Studach’s Erben AG. Seit 100 Jahren ist der Churer Spenglerbetrieb Verbandsmitglied. Ein Blick zurück.

Es war 1891, als der Flaschner Johann Studach (*1858) von Altstätten SG in die Alpenstadt zog. Hier startete er im Jahr 1901 an der Süsswinkelgasse sein Geschäft. Der Sohn Hans (*1891), eben jener Kupferheiland, führte den Betrieb ab 1916 weiter und baute 1934 an der Gürtelstrasse ein Wohn- und Geschäftshaus. Wenn er nicht gerade auf Glockentürmen herumkletterte, zog er mit dem Leiterwagen Waschmaschinen und Kochherde durch die Churer Gassen und betrieb so Direktmarketing bei den Bürgerinnen. 1916 trat er dem damaligen SSIV als Mitglied bei.
Bis 1961 baute Hans Studach, ebenfalls gelernter Flaschner, sein Angebot auf Bauspenglerei, Sanitär- und Heizungsinstallationen aus. Sein Sohn, Hans Karl Studach (*1932), wiederum übernahm mit seiner Frau Julie das Firmenzepter 1961. Dank dem Toggenburger Karl Sutter, der 1972 als gelernter Dachdecker zur Firma stiess, konnte Studach nun auch Bedachungen aller Art anbieten. Fast 20 Jahre arbeiteten die Studachs gemeinsam mit Karl Sutter erfolgreich und machten ihre Firma zum etablierten Gebäudehüllen-KMU.
Das Schicksal wollte es, dass Hans Karl Studach 1979 mit erst 47 Jahren plötzlich verstarb. Für Julie Studach, Mutter dreier schulpflichtiger Söhne, bedeutete dieser Verlust nebst grossem Schmerz, über Nacht die Geschicke der Firma übernehmen zu müssen. Zum Glück stand ihr dabei in den folgenden Jahren Karl Sutter tatkräftig zur Seite.

Sanierungen statt Neubau
Der Sohn mit dem grössten handwerklichen Talent war Karl. Für ihn war klar, dass er in die Fussstapfen des Vaters treten würde. Nebst Spengler lernte er Dachdecker und besuchte anschliessend die Meisterschule in Lostorf. Übrigens, als Karl die Spenglerlehre machte, kam der Kupferheiland tatsächlich ab und zu auf der Baustelle vorbei, um zu sehen, ob sein Enkel richtig spenglern lernte. Meistens sei er ganz zufrieden gewesen, erinnert sich dieser.
1992 übernahm schliesslich Karl Studach in vierter Generation die Verantwortung im Betrieb, die er bis heute innehat. Die Auftragsbücher füllten sich dank dem Bauboom in Chur. Das Personal wuchs zu Spitzenzeiten auf 40 Mitarbeitende an. Trotz voller Agenda fand Karl Studach immer noch Zeit, sich in verschiedenen Ämtern im Verband und in der Berufsbildung zu engagieren, sei es im Vorstand als Präsident oder als QV-Obmann und -Experte. Der 51-Jährige hat mit Ehefrau Corinna vier Kinder. Ob die Familientradition weiterbestehen wird, ist für sie nicht entscheidend, Hauptsache, die drei Töchter und der Sohn finden Befriedigung in dem, was sie beruflich machen. Strategisch hat Karl Studach schon vor vier Jahren damit begonnen, auf das Sanierungsgeschäft umzustellen, das er heute mit noch 26 Mitarbeitenden (4 Lernende) bearbeitet. Infolge Zweitwohnungsinitiative, Frankenschock, Tourismuskrise und Verknappung des Baulandes sei vor Ort der Neubau-Boom vorbei, so Studach. Im Geist der 100-jährigen Firmenhistorie mit all den überstandenen Hochs und Tiefs darf man davon ausgehen, dass der Churer Gebäudehüllenspezialist auch diese Herausforderung meistern wird. ‹

von Marcel Baud («suissetec magazin» 1/2016)