Installieren in höheren Sphären

Warum das Hochhaus im «Baloise Park» etwas Besonderes ist, wird schon bei der Porte klar. Vor dem Zutritt werden wir registriert und müssen beim Sicherheitsmann unsere Identitätskarten deponieren. Er hat jederzeit den Überblick, wer im 89 Meter hohen zukünftigen Hotel und Bürogebäude unweit des Basler Hauptbahnhofs unterwegs ist. Den Überblick brauchen auch Jeton Zefaj und Edin Dulovic. Die leitenden Mitarbeiter der Koster AG koordinieren die Installation der Wärme und Kälteanlagen im Gebäude.

Hochhaus, Baloise Park Basel
Baloise Park Basel, Foto: Patrick Lüthy

Zefaj und Dulovic bekommen heute wegen unserer Reportage Besuch von Roger  Kränzlin, ihrem Chef und seines Zeichens Geschäftsleiter des suissetec  Mitgliedsbetriebs. Gemeinsam zeigen sie uns die Baustelle. Die Koster AG erhielt den Zuschlag für die Installationen auch, weil ihre Gebäudetechniker schon einige  Bauwerke dieser Gattung mit Wärme- und Kältesystemen ausgestattet haben. Zum Beispiel jenes im Hard Turm Park, Zürich, das mit 80 Metern eine nur unwesentlich  geringere Höhe aufweist als das 24 Stockwerke zählende Hauptgebäude des Baloise Parks.

«Es braucht eine gewisse Betriebsgrösse und natürlich fähige  Gebäudetechniker, um einen solchen Bau zu realisieren», erklärt Kränzlin. Der Baloise Park als Grossprojekt kam dem Branchenplayer aus Zürich dank seinem   Umsetzungstermin über die Wintermonate gelegen, denn in der kalten Jahreszeit ist die Betriebsauslastung naturgemäss tiefer. Nach der Grundsteinlegung im Sommer 2017 soll der Gebäudekomplex bereits Anfang 2020 bezugsbereit sein.

Im Schnitt sind am Objekt zwischen 20 und 30 Mitarbeitende im Einsatz, mit Vorfabrikation und Büromitarbeitenden sogar gegen 40. Die Installateure sind in mehreren Teams an  verschiedenen Arbeitsorten tätig. «Wir setzen das Personal gezielt nach ihren  Fähigkeiten ein», sagt Zefaj. Diejenigen, denen Schweissarbeiten liegen, lässt man an die grossen Rohre. Andere wiederum sind spezialisiert auf Installationen in den Heiz- und Kältezentralen.

Ein gefragtes Objekt

Kreischende Fräse von rechts, Bohrhammer von links. Wir schauen, dass wir zum Lift kommen. Der ist während des Innenausbaus heiss begehrt und somit die Achillesverse im Rohbau. Sein edles Bediendisplay wirkt fremd in der ansonsten noch  grobschlächtigen Betonumgebung. Kaum vorstellbar, dass schon in wenigen Wochen die ersten Möbel angeliefert werden.

Rund 250 Bauleute sind derzeit bei der Arbeit. Die einzige Alternative zum Lift ist die Treppe. Doch bei 24 Etagen und dem Material  und Werkzeug, das zu transportieren ist, geben die Handwerker gern dem Aufzug den  Vorzug. Tatsächlich ist es eine Herausforderung, die Materialien mit nur einem  Warenlift in die Geschosse zu bugsieren. Dulovic bezeichnet es als zeitraubende  Angelegenheit. Dazu gehört auch das «Austreten». Muss einer seiner Leute den  Arbeitsplatz verlassen, ist er schnell eine halbe Stunde weg. Mehr Toiletten auf den Geschossen wären sicher eine gute Idee.

Die Mitarbeiter sind angehalten, laufend  vorauszudenken. Schon am Vorabend sollten sie jeweils genau planen, welche Arbeiten  am nächsten Morgen anstehen und welche Arbeitsmittel sie dazu benötigen.  «Organisiert der Installateur die ‹Ware› nicht rechtzeitig, ist er nur noch am Treppensteigen», so Dulovic.

Logistik hat höchste Priorität

«Eine funktionierende  Logistikkette ist in der Baustellenorganisation von Grossprojekten matchentscheidend», betont Kränzlin. Von der Bestellung beim Lieferanten über den  Abruf und die Anlieferung bis zur Feinverteilung an den Installationsort steht sie fast  über allem. Vor Ort muss jeder Lastwagen, der Rohre und Apparate bringt, bei der  Bauleitung angemeldet und terminiert sein. Die Disponenten signalisieren, wann das  Fahrzeug eintrifft, so dass Personal für den Ablad bereitsteht. Die Camions fahren  zentral über eine Rampe direkt in die Untergeschosse des Baloise Parks. Deren Chauffeure müssen das zugeteilte Zeitfenster strickt beachten. Weil nicht alle  Materialien gleichzeitig angeliefert werden können, braucht es eine akribische  Arbeitsvorbereitung, wobei gilt: je grösser die Dimensionen der Bauteile, umso  wichtiger die exakte Einhaltung der Liefertermine.

Sparringpartner im «Backoffice»

Und die Dimensionen sind hier beachtlich. Wir betrachten ehrfürchtig die mächtigen eisswasserrohre, welche die Koster-Mitarbeiter in den Steigzonen Stück für Stück  zusammenschweissen. Möglichst viele Bauteile werden aber auch in der Werkstatt  vorfabriziert. Das reduziert die Arbeitsstunden auf der Anlage und vereinfacht den  Materialtransport.

Dulovic und Zefaj sind vor Ort auf ein enges Zusammenspiel mit  dem «Backoffice» am Koster-Hauptsitz in Zürich angewiesen. Dulovic betont, der Mann  «zu Hause» im Büro sei seine wichtigste Ansprechperson: «Ohne meinen Sparringspartner geht es nicht», sagt er. Denn der muss unter anderem die  Komponenten früh genug bestellen, damit sie exakt dann bereitstehen, wenn der  Baufortschritt nach ihnen verlangt. Vorab lagern sie entweder in der nahen Filiale in Pratteln oder stehen beim Lieferanten auf Abruf bereit.

Mehrere Druckstufen, drei Zentralen

Wir sind auf dem Weg nach oben, genauer ins  OG 9. Hier befindet sich eine der Unterstationen für die Energieversorgung. Wegen der Höhe ist der Turm in Druckstufen unterteilt, die von drei Zentralen mit Energie bedient werden: die Hauptunterstation im Untergeschoss und je eine Nebenunterstation im 9. und 24. Obergeschoss. Die Wärme wird über einen Fernwärmeanschluss der IWB (Industrielle Werke Basel) geliefert und mittels Plattentauscher in die Hauptenergiezentrale für den  gesamten Baloise Park geführt. Sie ist der Kern der Arealversorgung. Von hier aus gelangt die Wärme zu den drei Gebäuden, darunter auch das Hochhaus. Die Fassaden sind mit jeweils eigenen Heizgruppen ausgestattet, deren geografische Orientierung in die Berechnungen einfliesst. So braucht etwa die Nordseite mehr Energie als die Südseite. Die Kälteerzeugung übernehmen zwei Kältemaschinen mit Hybrid- Rückkühlungsaggregaten neuesten Standards. Geplant wurde die HLKK-Anlage  inklusive Fachkoordination und Gebäudeautomation von einem weiteren suissetec  Mitglied, der Haustec Engineering AG, Ostermundigen BE, unter der Federführung ihres Projektleiters Patric Zürcher. Roger Kränzlin betont die Wichtigkeit der Hydraulik: «Wasser folgt immer dem geringsten Widerstand.» Deshalb müsse bei einem  Hochhaus der Abgleich besonders sorgfältig geregelt sein, damit die Wärme wirklich überall dort ankomme, wo sie ankommen solle. «Wenn wir einen solchen Auftrag  erhalten, prüfen wir immer das technische Prinzipschema nochmals.» Dies, um zu  bestätigen, dass das Konzept nach der Umsetzung wirklich funktioniert. Klar, gehöre im  heutigen Bauwesen die eine oder andere Diskussion mit dem Planer dann dazu, lässt Kränzlin hinter die Kulissen blicken. Man sitze ja im gleichen Boot. «Letztlich zählt  einzig, dem Investor ein Werk abzuliefern, das seine Aufgabe tadellos erfüllt.»

Werkbank mit Fernblick

Nachdem wir wegen Stau am Lift die schweisstreibende Abkürzung über die Treppe durch weitere 15 Etagen genommen haben, belohnt uns im  obersten Stock eine fulminante Aussicht über die Stadt Basel. Inmitten des überhohen, loftartigen Panoramageschosses mit bodenweiten Fenstern steht eine Werkbank, an  der zwei Heizungsinstallateure am Schweissen sind. Wer diese Räume zukünftig nutzt,  muss sich disziplinieren, um nicht dauernd dem Ausblick in den Schwarzwald oder die  Vogesen zu erliegen. Bestimmt geht das auch den Gebäudetechnikern von Koster so.  Sie sind stolz darauf, hier mitbauen zu dürfen, denn ein markantes Hochhaus wie hier im Baloise Park ist kein 08 /15-Einsatzort. Es sei ihnen verziehen, wenn sie trotz Termindruck gelegentlich den Blick in die Ferne schweifen lassen.

Marcel Baud  («suissetec magazin» 3/19)