Im KKL Luzern vibriert nur reine Luft

Klarer Klang dank reiner Luft
Foto: Patrick Lüthy

Grünes Licht für eine Reportage im Kultur- und Kongresszentrum Luzern, mit einem suissetec-Mitgliedsbetrieb: Da lässt man sich nicht zwei Mal bitten. Die Lüftungsspezialisten der Hirsiger AG aus Root LU haben immer wieder im Multifunktionsgebäude zu tun, erledigen Servicearbeiten oder bauen Erweiterungen ein. Auch dank ihnen bringen im KKL die «Berliner Philharmoniker», «James Blunt» oder «Seven» nur reine Luft zum Vibrieren.

Im KKL Luzern schätzen Künstler und Publikum genauso wie die rund 200 Mitarbeitenden angenehmen Luft- und Temperaturkomfort. Die geräuscharme Klimabewirtschaftung ist dabei das A und O. Doch die Arbeit in der vielschichtigen Architektur von Jean Nouvel ist manchmal knifflig, erklärt Peter Bättig, seit März Geschäftsführer der Hirsiger AG. Trotz allem überwiegt die Freude, in einem der bekanntesten und wohl schönsten Bauwerke der Schweiz tätig zu sein.

«An solche Orte kommt man als Normalsterblicher kaum je hin.» Oliver Thommen, angehender Lüftungsanlagenbauer

Schwitzen für den Monoblock
Wir gelangen tief hinter und über die Kulissen des Gebäudekomplexes, sind unterwegs, ganz nach oben, zu einer der fünf Lüftungszentralen. Gleich zwei davon liegen unter dem riesigen, weit auskragenden Dach. Die letzten Höhenmeter sind nicht mehr mit dem Lift, sondern nur noch zu Fuss über mehrere Lochgitter-Treppen zu erreichen.
«Das heisst Schnaufen und Schwitzen für meine Installateure», so Bättig. Zum Beispiel, wenn sie, wie kürzlich, besagte Lüftungszentrale mit neuen Komponenten zur Luftaufbereitung erweitern. Lufterhitzer und -kühler, Be- und Entfeuchter müssen mit reiner Muskelkraft nach oben getragen werden. «Die Einzelteile bauen wir erst in der Zentrale zu Monoblocks und anderen Gerätschaften zusammen», so der 48-Jährige. Raphal Petinelli (22), Lüftungsanlagenbauer und Servicetechniker bei Hirsiger, und Oliver Thommen (21), lernender Lüftungsanlagenbauer im zweiten Jahr, bestätigen unisono, dass sie bei solchen Montagen abends auf das Fitnessstudio verzichteten.
Bei allen baulichen Massnahmen haben akustische Faktoren im KKL Luzern höchste Priorität. Der vom New Yorker Russell Johnson (1924–2007) konzipierte Konzertsaal ist von Weltruf. Auch in den weiteren Räumen müssen die Lüftungssysteme möglichst leise Dienst tun. Grundlage sei, schon bei der Projektierung die Lüftungsrohre mit wenigen Wiederständen zu planen; die Anzahl der Formstücke wie Bögen und Konusse gering zu halten. Und jene, die unumgänglich seien, dürfen nicht zu gross sein, so Petinelli. Aufhängungen und Gummilager helfen, Vibrationsübertragungen zu vermeiden. Falls nötig, würden zusätzliche Schalldämpfer montiert.
Wir bestaunen unter anderem den voluminösen Monoblock in der erweiterten Lüftungszentrale, die, bereits fertig ausgelegt, die Büroräume der Verwaltung bedienen wird. Die Mitarbeitenden von Hirsiger schliessen in den kommenden Jahren etappenweise Kühldecken an das System an. Gegen 100 Angestellte des KKL profitieren so von besserem Raumklima.

Komfortmacher und Kontrabassist
Auf dem Rückweg passieren wir den Vorraum zum Konzertsaal. Hier konzentrieren sich Einzelkünstler oder die Musiker von ganzen Orchestern auf ihren Auftritt. Bequeme Sitzgelegenheiten, eine kleine Getränkebar mit Kaffeemaschine und sonstige Annehmlichkeiten sind zu sehen.
«Wenn wir im KKL Luzern arbeiten, kommt es vor, dass wir Künstlern mit Geige oder Kontrabass begegnen», erzählt Oliver Thommen. Das sagt er stolz und freut sich, als angehender Lüftungsanlagenbauer hier tätig zu sein: «An solche Orte kommt man als Normalsterblicher ja kaum je hin.»
Auch Petinelli erwähnt im Freundeskreis gerne, dass das KKL Luzern einer seiner Arbeitsplätze ist. «Das KKL bringt Farbe in unser Lüftigerleben», strahlt er. Ausserdem spüre man viel Vertrauen von den Mitarbeitenden des technischen Teams. Besonders, wenn sie von ihnen die Schlüssel zu ihrem Arbeitsbereich ausgehändigt bekommen. Petinelli achtet darauf, dass er mit seinem Lernenden gerade in der Nähe der Konzertsäle und Bürobereiche rücksichtsvoll ans Werk geht; kein Arbeitsgerät oder Material den Weg verstellt. Ein Loch bohren sei da nicht jederzeit möglich.
Inzwischen sind wir im Technikraum hoch über der Bühne des Luzerner Saals angelangt. Mit eingezogenen Köpfen bewegen wir uns unter den Verstrebungen, Scheinwerferkabeln und Rohrleitungen hindurch. Alles ist in Schwarz gehalten. Kanten und Ecken sind mit Schaumstoff versehen. «Haben wir hier etwas zu tun, müssen wir immer alles Material gegen das Herunterfallen sichern», erklärt Petinelli.
Auf dem Weg hinab berichtet Peter Bättig, dass sie im KKL auch als Problemlöser gefragt seien. Vor ein paar Jahren kämpfte man im Luzerner Saal mit zu trockener Luft, so dass sich das Parkett zu heben begann. Nachdem die Gebäudetechniker der Hirsiger AG eine Befeuchtungsanlage eingebaut und die Lufteinführung angepasst hatten, war das Problem gelöst.
Auch im Gastrobereich tauchten neue Bedürfnisse auf. An Events wird oft an Örtlichkeiten gekocht, die dafür ursprünglich nicht vorgesehen waren. Hirsiger löste das mit mobilen Abluftanlagen. Die kompakten Geräte, auf Rollen montiert, lassen sich einfach von Ort zu Ort bugsieren und an die vorinstallierten Andockstellen anschliessen. «Der Catering-Betrieb stellt seine Kochapparaturen darunter, und die Luft bleibt gut.»

«Rührt nichts an, das perfekt läuft.»
Dann öffnet sich die Tür zur Bühne des grossen, weltberühmten Konzertsaals. Er misst 17 838 m3 (ohne Echokammern) und bietet Platz für maximal 1898 Gäste. Wir treten ein und blicken in das imposante Rechteck mit der Konzertbestuhlung im Parkett und die auf vier Balkonen angelegten Logenplätze. Dazwischen erkennen wir die 20 000 quadratischen Gipsreliefs, die den einzigartigen Raumklang ermöglichen – und als ob der akustische Beweis noch nötig gewesen wäre, greift gerade ein Organist in die Tasten der Orgel mit ihren 66 Registern. Wir erschauern andächtig.
Nachdem wir uns wieder gefangen haben, erklärt Peter Bättig, dass in den Konzertsälen die Lüftung sozusagen unsichtbar sei. Die ursprüngliche Installation habe aber nicht sein Unternehmen ausgeführt. Die Hirsiger AG sei erst seit 10 Jahren im Kultur- und Kongresszentrum tätig. «Man ist hier vorsichtig, was Eingriffe in die bestehenden Anlagen betrifft», weiss Bättig. Die Anweisung eines langjährigen Mitarbeiters im technischen Dienst kennt jeder im Team: «Rührt nichts an, das perfekt läuft.»
Zwar wurde eine Studie erstellt, die das Sparpotenzial einer CO2-gesteuerten Lüftungsanlage aufzeigen sollte, von dafür erforderlichen technischen Anpassungen hat man aber bis jetzt Abstand genommen. Zu gross sei der Respekt, wenn nicht unbedingt nötig, in das einregulierte System einzugreifen. Immerhin ist eine energielose Wärmerückgewinnung in den Klimakreislauf integriert, womit durchaus ein Schritt in Richtung Energiesparen getan wurde. Betrachtet man die Volumen, die hier zu behandeln sind, wird das Potenzial klar. Nur schon im Luzerner Saal, ähnlich gross wie der Konzertsaal, sind stündlich 70 000 m3 Luft umzuwälzen. Zum Schluss will ich wissen, ob Peter Bättig, Raphael Petinelli und Oliver Thommen auch schon als Besucher in einem der Säle waren. Bättig erinnert sich an ein «Stress»-Konzert. Petinelli applaudierte an dieser Stätte seiner Freundin an ihrer Lehrabschlussfeier. Nur Oliver Thommen, der zwar oft im Gebäude arbeitet, betrat heute erstmals den Konzertsaal. Allen eigen ist ihre leichte Berufsschädigung, wie sie es nennen. Raphael Petinelli erklärt: «Betrete ich ein Gebäude, sehe ich mir automatisch zuerst an, wo die Luft ins Haus kommt. Ob im Minergie-Einfamilienhaus oder im KKL Luzern.» Der Chef und der Lernende nicken verständnisvoll. ‹

Marcel Baud («suissetec magazin» 3/2015)