Die Installateurin: das unentdeckte Potenzial?!

Blicke über den Gartenhag

Einer, der sich zu Frauen in bisher für sie untypischen Berufen auch Gedanken macht, ist Paul-Pierre Egli, Verantwortlicher für Berufsbildung beim Mitgliedsunternehmen ENGIE. Wie er sagt, sind seit 2013 die Frauen, aber auch Migranten bezüglich Nachwuchs im Konzern ein Thema. Doch im Vergleich zu Migranten sei man bei Frauen seither weit weniger erfolgreich gewesen, sie für gebäudetechnische Berufe zu gewinnen. Unter den aktuell 90 Lernenden finden sich bei ENGIE zwei Planerinnen, zudem eine Praktikantin, die ein Ingenieurstudium absolviert.

Bei den handwerklichen Berufen erinnert sich Egli in den letzten zehn Jahren an nur eine einzige Frau, die sich zur Lüftungsanlagenbauerin ausbilden liess. Auch für ihn liegt die Krux in der Berufswahl bei den in der Gesellschaft und den Eltern verankerten Stereotypen: «Wenn schon bei der Mutter und dem Vater das Bild des Heizungsinstallateurs männlich ist, dann wird es schwierig, dass die Tochter den Beruf auch nur in Betracht zieht.»

Laura Kopp, beim Verband Schweizerischer Elektro-Installationsfirmen (VSEI) zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, bestätigt, dass sich im Gegensatz zu den planerischen Grundbildungen oder der Telematikerin auch in ihrer Branche die Frauen eine Tätigkeit auf Baustellen nur schwer vorstellen könnten. Oft handle es sich aber um ein Wahrnehmungsproblem, denn viele Arbeiten fänden gar nicht auf der Baustelle statt. Um Mädchen und Jungen für die Berufe zu interessieren, tourt der VSEI mit einem «Smart Home Mobile» durch die Schweiz und wirbt an Schulen und Messen für die Berufe der Elektrobranche. Dabei seien auch Anlässe, die sich gezielt an Mädchen richteten. Die positiven Rückmeldungen, die der VSEI von Frauen erhalte, die bereits in der Branche tätig seien, würden dem Verband Mut machen, dass sich ihr Anteil in den kommenden Jahren steigern werde, blickt Laura Kopp in die Zukunft.

Schon seit Jahrzehnten sind die Malerinnen in dieser Zukunft angekommen. Wie Petra Braun, Bereichsleiterin Marketing und Nachwuchsförderung beim Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verband (SMGV) erklärt, sind es die Frauen, die im Malerberuf die Nachwuchsprobleme abfangen. Bis Mitte der Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts war das Gewerbe fest in Männerhand. Die Entwicklung gipfelte darin, dass ab den Nullerjahren der Frauenanteil an lernenden Malern denjenigen der Männer sogar übertraf. Der Trend hält bis heute an: 2017 betrug die Quote bei den Malerinnen immer noch 47 Prozent.

Der Clou: Laut Petra Braun hat der SMGV nie spezielle Massnahmen ergriffen, um vermehrt Frauen in eine Malerlehre zu bringen: «Sie haben diesen Beruf ganz einfach für sich entdeckt», kommentiert sie. Nebst der sprechenden Berufsbezeichnung sieht Braun eine mögliche Erklärung im gestalterischen Element, das die Frauen lockt – auch wenn dieses in der Praxis längst nicht immer vorhanden ist.

Ein Wermutstropfen bildet für den SMGV die Verweildauer der Frauen im Beruf. Petra Braun: «Da Teilzeitstellen in unseren Branchen noch sehr unüblich sind, springen viele ausgebildete Malerinnen schon nach kurzer Zeit wieder ab.» Aus Sicht der Gebäudetechnikberufe würde man hier von einem Luxusproblem sprechen, verfügt man bisher doch kaum über eine erwähnenswerte Anzahl handwerklich tätiger Frauen, die sich über Teilzeitarbeit den Kopf zerbrechen könnten. Dennoch macht es sicher Sinn, auch in diese Richtung zu denken. Flexible Arbeitszeitmodelle werden – nicht nur für Frauen – zunehmend an Bedeutung gewinnen und viel zur Attraktivität der gebäudetechnischen Berufe beitragen.