Die Installateurin: das unentdeckte Potenzial?!

Luana Gasser widerspricht dem gängigen Klischee, nach dem es vor allem um Kraft gehe und die Frauen wegen ihrer Konstitution für das Handwerk nicht infrage kommen. Adriano Cotti wischt das Argument ebenfalls vom Tisch: «Ich hatte Männer in der Ausbildung, die körperlich mancher Frau unterlegen wären.»

Nicht wegzudiskutieren sind die rauen Arbeitsumstände auf der Baustelle. Die äusseren Bedingungen oder die robusten Umgangsformen dürften zu Beginn der Grundbildung jedoch für Frauen wie für Männer gewöhnungsbedürftig sein. Also keine Killerargumente, weshalb Frauen ihr Glück nicht als Spenglerin oder Lüftungsanlagenbauerin versuchen sollten. Und es gibt sie ja, die Frauen, die erfolgreich eine Gebäudetechnikkarriere einschlagen und immer wieder für Furore sorgen, sei es an Berufsmeisterschaften oder in der höheren Weiterbildung.

Kinder früh ans Handwerk heranführen

Adriano Cotti macht immer wieder die Erfahrung, dass sich Frauen diese Jobs gar nicht erst zutrauen oder das Umfeld ihnen diese nicht zutraut. Umso wichtiger sei es für die Chance, später einen handwerklichen Beruf zu ergreifen, Kinder schon in der Primarschule an den Umgang mit Holz und Metall heranzuführen, und zwar geschlechtsneutral. So erkennen Mädchen und Jungen, ob ihnen das Werken mit den Händen liegt. Diesen Ansatz verfolgen übrigens die tüfteln.ch-Workshops für Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren. Unter der Anleitung von Lernenden bauen sie in Ausbildungsbetrieben der MEM-Industrie und der Gebäudetechnik Kugelbahnen, Flipperkästen und Raketenmobile. Neu gibt es mit tüftlerin.ch sogar Workshops eigens für Mädchen.

Die Eltern als Verhinderer

Die Ursache, weshalb gebäudetechnische Berufe kaum auf dem Wunschzettel von Frauen stehen, ist hauptsächlich noch immer im klassischen Rollenbild zu finden. Es verortet sie nicht auf dem Bau, sondern in kaufmännischen Funktionen oder sozialen Berufen. Wenn schon eine technische Ausbildung, dann höchstens im Planungsbüro. Wie Studien zeigen, wird dieses Bild bis heute weitaus am stärksten von den Eltern geprägt. Sie sind es auch, die bei der Berufswahl letztlich die grössten Beeinflusser ihrer Kinder sind.

Zu diesem Resultat gelangte auch Margrit Stamm. Die emeritierte Professorin für Pädagogische Psychologie und Erziehungswissenschaften an der Universität Fribourg schreibt: «Die Eltern spielen die wichtigste Rolle in den Laufbahnentscheidungen. Sie sind nicht nur die wichtigsten Coaches und Ratgeber ihrer Kinder, sondern haben auch einen entscheidenden Anteil, inwiefern ihre Kinder geschlechtstypische oder -atypische Berufe wählen.»*

Nach Stamm wählen Mädchen und Knaben nur dann einen geschlechtsuntypischen Beruf, wenn ihre Eltern selbst in solchen Berufen tätig sind oder ein progressives Geschlechtsrollenbild haben. Bestätigt wird das nicht nur von Luana Gasser, deren Vater einen Heizungsbetrieb führt, sondern von vielen der Frauen, die einen Handwerksberuf in der Gebäudetechnik ausüben. So wuchs etwa Yvonne Abächerli damit auf, dass sie ihr Vater immer wieder auf Baustellen mitnahm und sie so den Sanitärberuf schon früh kennenlernte. Obwohl sie erst Primarlehrerin werden wollte, entschied sie sich später für die Lehre zur Sanitärinstallateurin, bildete sich weiter bis zur Meisterin und arbeitet heute im elterlichen Sanitärunternehmen.
(*Dossier: «Nur keine Berufslehre! Eltern als Rekrutierungspool»