Der Blick aufs Dach – sicher vom Boden

Gewinn für den Projektablauf

Ein knappes Jahr nach der Einführung fliegt Raphael Zwick mehrere Einsätze pro Monat. «Wenn wir sehen, dass auf einer Baustelle eine Drohnenanwendung möglich ist, die uns Aufwand spart, dann setzen wir sie ein.»

Bei Brönnimann ist die Drohne primär eine Arbeitserleichterung. Gerade bei Dachkontrollen erkenne man mit ihrer Hilfe schnell, wo welche Reparaturen nötig seien.

«Noch vermarkten wir die neue Kompetenz nicht intensiv. Ebenso wollen wir professionelle Vermessungsfirmen nicht konkurrenzieren», relativiert Zwick. Auch wenn Aufträge vermehrt Das 170 Meter lange Lagerhaus St. Gallen aus der Drohnenperspektive. eintreffen, erweitere die Drohne erst einmal das Servicegeschäft. Der Quadrocopter vereinfache in erster Linie die Planung: «Die Fotos erlauben uns, Gegebenheiten an Fassaden und auf Dächern vor der Montage darzustellen und zu besprechen, bevor wir die Ausführung angehen.» Satellitenaufnahmen von gängigen Onlinequellen seien dafür zu unpräzis und in der Regel nicht aktuell genug.

Aufmass erstellen im Flug

Mit Kontroll- und Rekognoszierungsflügen sind die Möglichkeiten von Flugdrohnen nicht erschöpft. Neuerdings vermisst Raphael Zwick mit dem Quadrocopter auch Gebäudehüllen oder einzelne ihrer Komponenten. Dafür hat er sich eingehend in die Vermessung und Fotogrammetrie von Gebäuden mittels Flugdrohnen eingearbeitet. Mit der vorhandenen Drohnenund Kameraausrüstung besass er bereits die nötige Ausrüstung, was die Aufnahmen anbelangte. Sein System konnte die für die Berechnung der Modelle erforderliche Bildqualität liefern. Um anschliessend die digitalen, vektorisierten 3-D-Gebäudemodelle anhand des Fotomaterials am Computer zu generieren, war jedoch eine Software nötig, die gut dreimal so teuer ist wie die Flugdrohne selbst.

Die Gebäudemodelle dienen als Planungsgrundlage, als Aufmass für Vorplanungen und Devis. Meist für Reparaturen und Instandstellungen, aber ebenso für die Adaption eines Um- oder Ausbaus an ein bestehendes Gebäude wie etwa einen Wintergarten.

Der Quadrocopter verfügt über zahlreiche Automatismen und navigiert dabei mit GPS. Nach Eingabe der gewünschten Programmparameter startet er selbständig und fliegt die zur Bilderstellung notwendige Route ab, bevor er wieder zur Landung ansetzt. Kollisionssensoren, ähnlich wie in der Automobiltechnik, helfen, Zusammenstösse mit Objekten zu verhindern. Die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Piloten ist aber trotz allen Sicherheitssystemen unerlässlich.

Raphael Zwick schildert ein Projekt, bei dem 47 Fotos nötig waren, um das Datenmodell zu erstellen. «Für die Offertphase reicht die resultierende Genauigkeit von 2 bis 4 Zentimetern auf eine 50 Meter messende Dachfläche aus», stellt er fest. Er betont aber auch, dass spätestens, wenn es um die Ausführungsplanung gehe, der Spenglerfachmann unerlässlich sei und dann selbst Hand und Massband anlegen müsse. Bis zu diesem Zeitpunkt könne aber durch die Drohne auch bei Vermessungsarbeiten die Sicherheit für Mitarbeitende substanziell erhöht werden. Von allen Vorteilen, die das neue Arbeitsinstrument bietet, ist das fraglos der wichtigste. ‹

Marcel Baud («suissetec magazin» 2/20)