Der Blick aufs Dach – sicher vom Boden

Risikoarmer Augenschein

Die erste Drohne erwarb der Quereinsteiger in der Gebäudehüllenbranche – Raphael Zwick ist von Haus aus Kaufmann – im letzten Sommer: «Das war ein günstiges Modell zum Experimentieren. Ältere Technologie.» Mit diesem Einstieg plante er, Erfahrungen zu sammeln und dabei die Kosten überschaubar zu halten.

Zwick kennt sich mit ferngesteuerten Fluggeräten bestens aus. Seit langem pilotiert er Modellflugzeuge und -helikopter, die ungleich schwieriger zu steuern sind als eine moderne Drohne. Wird eine Flugdrohne gewerblich genutzt, macht ein Einführungskurs gerade für Anfänger Sinn, denn es sind etliche theoretische und praktische Aspekte zu beachten. Besonders der Sicherheit muss beim professionellen Drohneneinsatz höchsten Stellenwert beigemessen werden.

Für Drohnen begann sich Zwick zu interessieren, weil man bei Brönnimann einen Blick auf das Dach werfen wollte, ohne einen Mitarbeitenden hinaufschicken zu müssen.

Damit betrat man im Spenglerbetrieb Neuland, was Projektplanung und -vorbereitung betraf. Fruchtbares, wie sich schnell zeigte: «Wir waren überrascht, wie gut die Verhältnisse am Gebäude mit der Drohne zu erkennen sind. Damit vermag der Quadrocopter unsere Arbeit zu vereinfachen und sicherer zu machen.»

Bald investierten die St. Galler in einen zeitgemässen, gut ausgestatteten Drohnentyp, inklusive leistungsfähiger Bildoptik. Das aktuelle Produkt liefert hochauflösende Fotos; Details wie einzelne Bauelemente können herangezoomt werden. So auch vom Dach des Lagerhauses St. Gallen, einem 170 Meter langen Gebäudekomplex aus dem Jahr 1903, im Zentrum der westlichen Altstadt.

Lagerhaus St. Gallen, das Dach aus der Drohnenperspektive.
Das 170 Meter lange Lagerhaus St. Gallen aus der Drohnenperspektive. (Foto: Beat Brönnimann GmbH)

«Tauben hatten sich im Dachstock eingenistet und verdreckten das eingelagerte Material», beschreibt Zwick die Ausgangslage. «Wir mussten rund 25 Dachausbauten überprüfen. Eine Aufgabe, für die wir mit Mitarbeitenden deutlich länger gebraucht hätten als mit der Drohne.»

Das denkmalgeschützte Bauwerk verfügt über keine Sicherungsinstallationen, räumt Zwick ein: «Schon für die vorgängige Bestandesaufnahme hätten wir etliche Sicherheitsfragen mit der Suva klären müssen.»

Mit der Drohne inspizierte Zwick innert weniger Stunden das gesamte Dach. Dabei fotografierte er mit der integrierten Kamera kritische Positionen, vor allem mögliche Schlupflöcher, wo die Tauben ins Gebäude eindringen konnten. Mit seinem Spenglerteam verfasste er den Zustandsbericht inklusive nötiger Massnahmen wie Gittersperren, um der Vogelplage Herr zu werden. Die Drohnenfotos stellten die Situation bis ins Detail dar. «Der Kunde erhielt so eine kostengünstige und verlässliche Expertise, ohne dass wir einen einzigen Spengler auf das Dach entsenden mussten», blickt Zwick zurück.