Brüder im Spenglergeiste

«Als Erstes gehen wir zu suissetec und gewinnen den Nagel-Wettbewerb», so Marc Habeggers Ansage, als er mit seinem Freund Nicolas Crettaz letzten Januar die Swissbau in Basel besucht. Fit und frisch wollen die beiden 25-Jährigen zeigen, dass Vertreter des Spenglerhandwerks die flinksten Schlaghände besitzen – sie behalten Recht.

Brüder im Spenglergeiste
Foto: Patrick Lüthy

In der suissetec-Lounge hämmern Habegger und Crettaz die drei Nägel in nur 12,36 Sekunden ins Holz. Ein Rekord, der bis zum Messeende nicht mehr unterboten wird. Um sicherzugehen, prüft Marc Habegger, Spenglerpolier bei Dalhäuser +Ledermann AG, Muttenz BL, täglich die Tagesbestzeiten, die der Verband im Web publiziert. Am Abend des 20. Januars hat er Gewissheit: Er und Crettaz sind die schnellsten Nagelhauer. «Die Freude ist gross in der Firma», sagt der Muttenzer. Der Hauptpreis, ein 1000-FrankenGutschein für einen Znacht, soll in besonderem Rahmen eingesetzt werden: Die ganze Firmenbelegschaft trifft sich im kommenden Juli, wie jedes Jahr, für ein gemeinsames Rheinschwimmen. «Dieses Mal machen wir aber schon um 15 Uhr ‹Füürobä›, um uns in Basel den ‹Bach› hinabtreiben zu lassen», blickt Habegger voraus. Anschliessend sind im Kleinbasler Restaurant Eintracht Tische reserviert. Nicolas Crettaz kommt ins Schwärmen: «Da gibt es die besten und grössten Cordon bleus der ganzen Stadt.»

«Manchmal braucht es ganz einfach jemanden, dem man vertraut un der einen auf eine Fehlüberlegung hinweist..» Marc Habegger

«Ja, ich auch!»
Marc Habegger und Nicolas Crettaz kennen sich seit der Kinderspielgruppe, erleben gemeinsam den Kindergarten und einen Teil der Schulzeit. Auch als Crettaz für fünf Jahre nach Luzern zieht, pflegen sie immer wieder Kontakt. Bei einem solchen Treffen erzählt Crettaz voller Stolz, dass er gerade die Spenglerlehre begonnen hat, und staunt nicht schlecht, als ihm Habegger entgegnet: «Ja, ich auch!» Ohne voneinander zu wissen, entschieden sich die zwei also für den gleichen Beruf. Später kehrt Crettaz, mittlerweile Spengler EFZ, in die alte Heimat zurück und ist zunächst für eine Basler Spenglerei tätig, ehe er sich unter eigenem Namen (Spenglerei Crettaz GmbH) selbständig macht. In dieser Rolle arbeitet er häufig für die Dalhäuser + Ledermann AG. Mit dem Unternehmen ist er stark verbunden. Natürlich auch, weil sein bester Freund dort eine leitende Position innehat. Marc Habegger absolvierte hier schon die Lehre. Inzwischen hat er sich zum Spenglerpolier weitergebildet und feiert bald sein 10-Jahr-Firmenjubiläum.

Erfolgreiche Teamarbeit
Wie beim suissetec-Nagelspiel ist Teamarbeit für beide auch bei der Planung, in der Werkstatt oder auf dem Bau das A und O. Dabei wenden Habegger und Crettaz dieses Credo nicht nur auf die eigenen Firmen an.
«Es ist wichtig, auch mit Vertretern von weiteren Gewerken Hand in Hand zu arbeiten», betont Crettaz. Deshalb seien sie oft in den gleichen Netzwerken anzutreffen. Ein eingespieltes System, in dem jeder genau weiss, was der andere tut.
«Kommunikation ist wichtig, aber fast noch besser ist, wenn es gar nicht mehr viel Kommunikation braucht und sich die Kollegen bei der Arbeit blind verstehen», ist Marc Habegger überzeugt. Andererseits sei die Diskussion ausdrücklich erwünscht, wenn ein kniffliges Problem anstehe und man die Köpfe zusammenstecken könne, um die beste Lösung zu finden. «Manchmal braucht es ganz einfach jemanden, dem man vertraut und der einen auf eine Fehlüberlegung hinweist.»
Eigenhändig mit Nagel und Hammer sind Habegger und Crettaz selten mehr zugange. Für Befestigungen greifen sie heute zur Nagelpistole. Bei der Dalhäuser +Ledermann AG gehören nebst den Stammdisziplinen Spenglerei, Bedachungen und Blitzschutz auch Spezialbereiche zu ihren Aufgaben: Beispielsweise plant und installiert Marc Habegger seit einiger Zeit Absturzsicherungen: ein Geschäftssegment, das immer wichtiger werde.
Besonders gern arbeiten die beiden in der «Stadt» (Basel), wo regelmässig anspruchsvolle Bauten wie unter anderem Simarinnen an geschützten Gebäuden auszuführen sind. Es sei reizvoll, solch alte, handgearbeitete Installationen originalgetreu wiederherzustellen. Und da scheint sie auf, Marc Habeggers und Nicolas Crettaz’ Leidenschaft für das handwerkliche Können – und zwar längst nicht nur, wenn es sich um das schnelle Versenken von drei Nägeln in einem Holzblock dreht.

Marcel Baud («suissetec magazin» 2/18)